Zwischen Improvisation und Regieanweisungen: Auf der Bühne mit der Theatergruppe

Neben der Aulabühne, Tag der Premiere. Im kleinen Vorbereitungsraum werden die letzten Kostüme vom Ständer genommen, Perücken drapiert, Requisiten präpariert. Die Kulisse für die erste Szene steht hinter dem geschlossenen Vorhang nebenan, vor dem sich die ersten Gäste sammeln. Auf der Bühne eilen Schauspieler in halb fertigen Kostümen hin und her, bringen Skripte unter und verstauen Utensilien griffbereit. Noch vierzig Minuten bis zur Aufführung.

Illustration: SchiffAn einem Samstag, wenige Wochen zuvor. Die vierzehnköpfige Theatergruppe ist auf dem Weg zum Kostümverleih, um die Stoffe auszuwählen, die schon bald verschiedene Kontinente auf die Bühne des Schleizer Gymnasiums bannen sollten. Die Regisseurin und Leiterin der Theatergruppe überwacht das Unterfangen. Der Kleiderständer mit der Auswahl der Schauspieltruppe füllt sich langsam. Die einen oder anderen Accessoires würden aus dem eigenen Heimfundus ergänzt, manch übergroße Kleidungsstücke enger gesteckt werden. Besonders die Herrenkleidung fällt weit aus für die zahlreichen Schülerinnen des Ensemble, letztlich findet sich aber doch für jeden jungen Mimen eine passende Garderobe.

Eine Probe im Vorfeld. Bis zur Aufführung dauert es nicht mehr lang. Nach den üblichen Lockerungsübungen wird diesmal ohne Skript geprobt. Ausnahmen sind nur für die Zwölftklässler gestattet, welche mitten in ihren Abiturprüfungen stecken. Die mehrmonatige Vorbereitung auf die Aufführung neigt sich dem Ende. Nach der Veranstaltung eines Stadtgangs im vergangenen Jahr können nun auch Kostüme und Requisiten für die Inszenierung des Stückes gesammelt werden.

Am Vortag der Aufführung. Die Generalprobe zeigt, welchen Schliffes es noch bedarf, um das Stück am nächsten Tag zu präsentieren. Aus ihren Rollen schlüpfen die Schüler der achten, neunten und zwölften Klasse an diesem Abend nicht mehr. Noch nach Beendigung der Probe hallen Stimmen mit russischem, französischem, indischem und amerikanischem Akzent über das Gelände.

Illustration: ZirkuszeltMorgen am Tag der Premiere. Kleidung und Requisiten werden letzten Anpassungen unterzogen, die Maske nimmt die Arbeit auf, an den letzten Texten und Interpretationen wird gefeilt. Bevor das Stück beginnt, geht die Mitteilung herum: Durch ein technisches Problem können leider nicht die vorgesehenen Geräusche verwendet werden. Doch wenn eines auch schon in der jungen Theatergruppe präsent ist, dann ist es Spontanität. An diesem Abend würden neben der akustischen Begleitung auch Dialoge und Szenen improvisiert werden, unbemerkt vom Publikum.

Beginn der Aufführung. Jules Vernes gab jedem seiner Charaktere seine eigenen Züge, als er sein Werk „Reise um die Erde in 80 Tagen“ verfasste, allen voran dem unbeirrbaren Gentleman Phileas Fogg. Ihm liegt nicht viel an dem Geld, das er zuhauf besitzt. Sein Faible ist die Zeit, und so entwirft er seinen Plan, die Welt zu umreisen. Scheinbar spontan, aber ihm zufolge vermutlich genau zur richtigen Zeit, verlässt er London. Seinen Diener Jean Passepartout hingegen überrascht er damit. Wo Fogg pedantisch seinem Chronometer folgt, zeigt Passepartout Emotionen, Charakter, Charme und Mut. Er ist seinem ´erren treu ergeben und würde alles dafür tun, dass dieser seine Wette gewinnt. Tatsächlich vollführt Passepartout einiges. Er verdingt sich im Zirkus und schlägt sich mit Indianern. Das britisch-französische Duo wird an diesem Abend verkörpert von Jaqueline Mallee (Phileas Fogg) und Clara Kolbe (Jean Passepartout). Den Rahmen der Geschichte webt Sorrel Hubrich in der Rolle der Reiseführerin Julia, die durch ihre späte Ankunft, so das Stück, den Beginn der Vorstellung verzögert.

Nach einigen Minuten. Die Scheinwerfer werfen ihre gelblich glühenden Strahlen hinab auf den Bühnenboden, auf dem Gestalten aus einer fernen Zeit umherirren. Gehrock mit Hut oder indischer Sari, Richterrobe oder schlichte Mönchskleidung – die Erscheinungen sind vielfältig. Ebenso die Örtlichkeiten: Marktplätze, Züge, Clubs, Schiffe und Wildnis wechseln einander ab. Die Figuren waren mit dem Eintreffen der Julia aus dem Publikum getreten; sie zeigen nun auf und vor der Bühne die Ereignisse des Jahres 1872 – das bekannte, auch verfilmte Loblied auf die Vernetzung der Erde.

Illustration: Zirkuszelt

Eine ganz besondere Beziehung entwickelt sich unterdes zwischen dem französisch akzentuierten Passepartout und dem Gegenspieler der beiden Weltreisenden, Adrian Bauer alias Mr. Fix. Gemeinsam umrunden sie die Erde, ihr Verhältnis schwankt dabei zwischen Schlägen und gemeinsamen Rauschmittelexzessen. Als Inderin Aouda wirkt Juliane Grüner am Stück mit; gerettet von Passepartout, fühlt sie sich doch zu seinem Herren Fogg hingezogen. Passepartout liebäugelt ohnehin mit Christine, gespielt von Jessica Wetzel. Für Auflockerung sorgt Juliane Matthes in ihren vielfältigen Rollen, unter anderem als Irina Bultulcar und Miss Fletcher.

Der Herausforderung mehrerer Rollen sahen sich weiterhin gegenüber: Vanessa Meyer (Kellner, Sekretärin, Seemann, Maschinist), Lea-Marie Marschall (Andrew Stuart, Indira, Konsul), Melanie Luckner (John Sullivan, Polizisten), Jennifer Tesch (Captain Bunsby, Gerichtsschreiber, Passant), Miriam Neundorf (Gauthier Ralph, Richter, Passant) und Kim Mi Pham (Mudge, Streckenwärter). Zur Unterstützung der Truppe wirkten mit: Nicolas Heller (Brahmane) und Florian Knoch (Brahmane, Colonel Proctor, Captain Speedy), der sich als Redakteur des Webteams in Vorbereitung des Stückes der Theatergruppe als Aushilfe zur Verfügung stellte und die hier geschilderten Eindrücke aufnahm.

Kurz nach der Aufführung. Der Zuschauerraum leert sich, während sich die Schauspieler auf der Bühne versammeln. Erleichterung macht sich breit. Nach der gelungenen Premiere können nun die Kostüme und Perücken abgelegt werden. Eine zweite Aufführung steht bevor und im neuen Schuljahr wird die Theatergruppe, die die Zwölftklässler nun verlassen, an einem neuen Werk arbeiten. Dabei werde die Hauptaufführung nun im Zweijahrestakt erfolgen, so die AG-Leiterin, die sich auf Neueinsteiger aus allen Klassen in der nächsten Spielzeit freut.

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